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Das beliebte Gemeinschaftsprojekt der Hamburger Arthouse- und Programmkinos geht online. Die Kinos haben während der Pandemie bereits seit über drei Monaten wieder geschlossen, so dass wir unbedingt ein Lebenszeichen an unser Publikum senden wollen. Nun tragen wir unsere jährliche Kinoveranstaltung, bei der an einem Sonntag alle Hamburger Programmkinos einen Hamburger Kultfilm in ausverkauften Häusern zeigen, in das World Wide Web.

 

Das Herzstück der gemeinsamen Kinoveranstaltung ist traditionell die Reise des Filmteams durch die Kinos, die Kinogespräche und natürlich eine Drehorttour an die Originalschauplätze. All dies machen wir nun in einer charmanten Online-Variante möglich.


ABLAUF DER ONLINE-AKTION


Am 27. und 28. Februar 2021 wird bundesweit der Film und das zugehörige Rahmen- und Filmprogramm der Streamingplattform Pantaflix angeboten. Das Online-Event ist über www.eine-stadt-sieht-einen-film.de sowie auch über die Websites der 17 teilnehmenden Kinos vom 27. Februar 00:00 bis zum 28. Februar 23:59 abrufbar. Das Streaming ist kostenfrei.

 

RAHMENPROGRAMM IM STREAM

 

DREHORTFÜHRUNG mit Hauptdarsteller Charly Wierzejewski an Originalschauplätze: u.a. Reeperbahn, Elbtunnel, Villa Jako
GESPRÄCH mit der Schauspielerin Eva Mattes
INTERVIEW mit Regisseur Roland Klick
ARCHIV-INTERVIEW 1997 mit Roland Klick und Kameramann Jost Vacano
BEGLEITENDES FILMPROGRAMM IM STREAM
JIMMY ORPHEUS (1966) - Klicks atmosphärisches, mittellanges Debüt über eine Nacht im Leben eines Hamburger Hafenarbeiters in Schwarz/Weiß-Ästhetik
ROLAND KLICK - THE HEART IS A HUNGRY HUNTER (2013) - Dokumentarfilm von Sandra Prechtel über das filmische Werk Roland Klicks mit schönen Interviewsequenzen

 

AUSSERDEM BEREITS VOR DEM KLICK-WOCHENENDE

 

FOTOAUSSTELLUNG ZU DEN DREHORTEN auf filmtourismus.de ab dem 15.2.
FOTOAUSSTELLUNG IM ÖFFENTLICHEN RAUM ab dem 15.2. in Hamburg
QUIZ zum Film mit Gewinnspiel (T-Shirts und Original-Aushangfotos zum Film, Kinoplakate, Freikarten für die Hamburger Kinos) ab dem 15.2.
LIVE-QUIZ zum Thema "Der Supermarkt im Film" am 23.2. 20.00 per Zoom "im" Abaton
Die EINE STADT SIEHT EINEN FILM ONLINE - EDITION ist eine gemeinsame Veranstaltung der Hamburger Arthouse- und Programmkinos mit Unterstützung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein sowie der Streamingplattform Pantaflix und des Filmverleihs Filmgalerie 451.

Zum Film

Mit SUPERMARKT präsentieren wir diesmal Roland Klicks Milieu-Thriller mit spannenden Drehorten und einer Zeitreise in das Hamburg der 1970er Jahre. SUPERMARKT ist eine noch zu wenig bekannte Perle der deutschen und der Hamburger Filmgeschichte. Das muss sich ändern! Worum geht's?

 

Das Einzige, das in Willis Leben auf den Straßen Hamburgs der 1970er-Jahre sicher ist, ist die Endgültigkeit der Abwärtsspirale, die ihn hinunterzieht. Der gerade volljährige Kleinkriminelle irrt ohne echte Chance auf eine bessere Zukunft zwischen dem Bruchbuden-Unterschlupf seines Ganoven-Kumpels Theo, dem Sofa des zwar hilfsbereiten, aber letztendlich doch karriere-motivierten Reporters Frank und den Betten reicher Freier umher und schafft es trotz Hilfsangeboten Außenstehender nicht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Erst in der Liebe zu der Prostituierten Monika erfährt Willi einen Schimmer Hoffnung, doch nur weil es ihr noch schlechter ergeht als ihm, wird daraus noch lange nichts besser.

 

SUPERMARKT ist eine Milieu-Studie im Gewand eines temporeichen Kriminalfilms, ohne aber seine Intentionen zu verbergen. Statt eines moralisierenden Zeigefingers, der in jener Zeit unter den Filmemacher*innen üblich gehoben wurde, überzeugt der deutsche Genrefilm mit schonungsloser Direktheit. Mit der Wahl Charlie Wierzejewski als Hauptdarsteller entschied sich Roland Klick gleichsam für Authentizität statt Schauspielausbildung; reale Erfahrungswerte durchdringen Willis Bewegungen, ob er vor Polizisten wegrennt oder sich voll routiniertem Frust von einer weiteren erstickten Zukunftschance abwendenden muss, ohne zu zögern weiterzieht, abgeklärt, ständig getrieben, bis ihm wirklich nichts und niemand mehr bleibt.

 

Man hat das Gefühl, Willi in die beengten Kneipen zu folgen und mit ihm hinausgeworfen zu werden, weil wir nicht genug Kohle oder einfach die falsche Frisur haben, glotzen zusammen im Kreise der übrigen Passanten auf Monika herab, wie sie sich Spaghettireste vom Kopfsteinpflaster in den Mund schiebt, fühlen aber auch, wie klebrig die Wimperntusche auf den Wangen trocknet und wie erbarmungslos der Wind durch die Ritzen des Abrisshauses am Hafen pfeift, in dem Theo seine Schießübungen direkt im Flur abhält. Kein Blick über Straßenbahnbrückenhöhe hinaus, es gibt kein dahinter, kein danach, nur das, was unmittelbar vor unseren Augen passiert. Und wenn man einen Schritt Abstand von der zermürbenden Perspektivlosigkeit der proletarischen Protagonist*innen nimmt, kann man kurz staunen über das Bild, das Hamburg vor fünfzig Jahren abgegeben haben muss: prunkvoll für die Reichen an der Elbchaussee, kippenstummelübersät abweisend für die Randgruppen, geprägt von Schwellenräumen wie Bahnhöfen und Brachen, die von letzteren nie für einen Übergang genutzt werden können.

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